Berliner U-Bahn: 10 Dinge, die du wissen solltest
Von der ältesten Linie Deutschlands bis zur U55, die 2020 in der U5 verschwand: zehn Fakten über das Berliner Netz.
Die Berliner U-Bahn ist eines der wenigen U-Bahn-Netze Europas, das man wirklich als gewachsen bezeichnen kann: über 120 Jahre, zwei unterschiedliche Tunnelprofile, eine geteilte Stadt mittendrin und am Ende neun Linien, die sich kaum je alle gleich schnell erneuern. Wer täglich U6 oder U9 fährt, kennt vielleicht seine Strecke auswendig, aber selten die Geschichte dahinter.
Hier sind zehn Dinge über das Netz, die auch Berlinerinnen und Berliner oft überraschen, von der ältesten Linie Deutschlands bis zur Station mit dem geringsten Fahrgastaufkommen der ganzen Stadt. Wer die Stationen selbst querdenken will: dailymetro.live/berlin stellt jeden Tag eine neue Station zum Erraten.
1. Die U1 ist die älteste elektrische Hochbahn Deutschlands
Die U1 ging 1902 in Betrieb und war die erste elektrische Untergrund- und Hochbahn für den öffentlichen Personenverkehr in Deutschland. Stationen wie Görlitzer Bahnhof, Hallesches Tor oder Prinzenstraße stammen noch aus dieser ersten Bauphase und sind über hundert Jahre alt.
Die U4, die 1910 als eigenständige Schöneberger Bahn eröffnete, war dagegen die erste U-Bahn Deutschlands in kommunaler Trägerschaft, ein Detail, das man in Berlin selbst kaum kennt.
2. Zwei Tunnelprofile, die nie zueinander passten
Berlin baute seine U-Bahn in zwei verschiedenen Profilen: Kleinprofil (etwa 2,3 Meter breite Wagen, auf U1 bis U4) und Großprofil (2,65 Meter, auf U5 bis U9). Die Züge der einen Gruppe passen nicht in die Tunnel der anderen, deshalb sind das bis heute zwei technisch getrennte Netze, die sich nur an den Bahnhöfen berühren.
Der Unterschied ist historisch: die ersten Linien wurden für ein kleineres Fahrgastaufkommen gebaut, ab den 1910er-Jahren entschied man sich für breitere Wagen mit mehr Kapazität, ohne die alten Strecken je umzubauen.
3. Die U7 ist die längste komplett unterirdische Strecke Deutschlands
Die U7 verbindet Spandau im Nordwesten mit Rudow im Südosten über rund 32 Kilometer, praktisch komplett im Tunnel. Damit ist sie nicht nur die längste Linie des Berliner Netzes, sondern die längste durchgehend unterirdische Bahnstrecke in ganz Deutschland.
Wer die komplette Linie durchfährt, passiert über 40 Stationen und mehrere Bezirke, von Spandau über Wilmersdorf und Kreuzberg bis nach Neukölln, ohne ein einziges Mal ans Tageslicht zu kommen.
4. Die U4 ist bis heute die kürzeste und am isoliertesten gebaute Linie
Die U4 misst nur 2,9 Kilometer und bedient fünf Stationen, komplett innerhalb von Schöneberg. Sie fährt planmäßig mit den kürzesten Zügen im ganzen Netz, oft nur zwei Wagen. Bei ihrer Eröffnung 1910 war sie technisch vom übrigen Netz getrennt, eine Verbindung existiert erst seit später gebauten Tunneln am Nollendorfplatz.
Rathaus Schöneberg, ihre südliche Endstation, ist zugleich die Station mit dem geringsten Fahrgastaufkommen im gesamten Netz laut den Zahlen, mit denen dieses Spiel arbeitet.
5. Die erste Rolltreppe der Berliner U-Bahn stand am Hermannplatz
Als der Bahnhof Hermannplatz 1926 eröffnete, gehörten seine Rolltreppen zu den ersten im gesamten Berliner Untergrundnetz. Die Halle wurde bewusst monumental gebaut, mit hohen Kassettendecken, auch weil sie direkt an das damalige Kaufhaus Karstadt anschloss, das einen eigenen unterirdischen Zugang zur Station hatte.
6. Die Teilung der Stadt hat das Netz buchstäblich durchtrennt
Ab 1961 wurde die U2 an der Sektorengrenze in zwei Teile zerschnitten, ihr östlicher Endpunkt lag jahrzehntelang an der heutigen Station Anton-Wilhelm-Amo-Straße (damals Thälmannplatz). Die U6 und die U8 dagegen blieben als komplette Westlinien in Betrieb, mussten dafür aber unter Ost-Berlin hindurchfahren, ohne an den dortigen Stationen zu halten.
Wie diese sogenannten Geisterbahnhöfe aussahen und welche 1989 und 1990 wieder öffneten, steht ausführlich in unserem Artikel über die Geisterbahnhöfe Berlins.
7. Die U55 gibt es nicht mehr, sie ist einfach die U5 geworden
Zwischen 2009 und 2020 fuhr zwischen Hauptbahnhof, Bundestag und Brandenburger Tor eine eigene Linie namens U55, gerade einmal drei Stationen lang, ohne Anschluss an den Rest des Netzes. Erst mit der Verlängerung über Unter den Linden, Museumsinsel und Rotes Rathaus bis zum Alexanderplatz wurde die U55 2020 offiziell Teil der U5.
Museumsinsel und Rotes Rathaus zählen damit zu den jüngsten U-Bahnhöfen der Stadt, eröffnet erst 2020 und 2021.
8. Alexanderplatz ist der mit weitem Abstand meistgenutzte Bahnhof
Mit drei Linien, U2, U5 und U8, sowie Anschluss an S-Bahn, Tram und Regionalverkehr ist Alexanderplatz der Umsteigeknoten Berlins. In den Zahlen, die diesem Spiel zugrunde liegen, führt kein anderer U-Bahnhof auch nur annähernd so viele Fahrgäste im Jahr.
9. Manche Stationsnamen sind eigentlich kleine Geschichtsstunden
Onkel Toms Hütte heißt eine Station tatsächlich nach einem Gasthaus, das dort einst stand und selbst nach dem amerikanischen Roman benannt war. Karl-Bonhoeffer-Nervenklinik trägt den Namen einer echten Klinik in Reinickendorf, benannt nach dem Psychiater Karl Bonhoeffer. Und Anton-Wilhelm-Amo-Straße erinnert seit 2021 an einen Philosophen der Aufklärung, an der Stelle, an der zuvor jahrzehntelang der Name eines DDR-Funktionärs stand.
10. Neun Linien, 175 Stationen, ein Netz, das nie fertig war
Von U1 bis U9 deckt das Netz heute neun Linien und mehr als 150 Streckenkilometer ab. Wer sich vor dem Spielen orientieren will, findet die komplette Liste aller Linien und Stationen mit Baujahr, Bezirk und Fahrgastzahlen.
Häufige Fragen
Wie viele Linien hat die Berliner U-Bahn?
Neun, von U1 bis U9. Die frühere U55 wurde 2020 in die U5 eingegliedert und existiert als eigener Linienname nicht mehr.
Welche ist die älteste U-Bahn-Linie in Berlin?
Die U1, eröffnet 1902 als erste elektrische Hochbahn für den öffentlichen Verkehr in Deutschland.
Welche U-Bahn-Linie ist die längste?
Die U7 mit rund 32 Kilometern, komplett im Tunnel, die längste durchgehend unterirdische Bahnstrecke Deutschlands.
Warum gibt es in Berlin zwei verschiedene Zuggrößen?
Die älteren Linien (U1 bis U4) wurden im schmaleren Kleinprofil gebaut, die jüngeren (U5 bis U9) im breiteren Großprofil. Die Fahrzeuge der beiden Gruppen passen nicht in die Tunnel der anderen.