Die Geisterbahnhöfe Berlins

Wie die U6, die U8 und die U2 durch die geteilte Stadt fuhren und welche Bahnhöfe dabei jahrzehntelang leer blieben.

Kein anderes U-Bahn-Netz Europas wurde so direkt von einer Grenze durchschnitten wie das Berliner. Nach dem Mauerbau 1961 fuhren zwei komplette Westlinien, die U6 und die U8, weiter unter Ost-Berlin hindurch, hielten dabei aber an keiner der dortigen Stationen mehr. Die U2 wurde an der Grenze schlicht in zwei Hälften zerschnitten.

Diese verwaisten Bahnhöfe wurden als Geisterbahnhöfe bekannt: fensterlos, unbeleuchtet, von Grenztruppen bewacht, während die Züge ohne zu bremsen durchfuhren. Fast alle öffneten nach 1989 wieder, ein paar erst Jahre später. Wer die Stationen im Spiel wiederfinden will: die Liste aller Berliner Stationen zeigt zu jeder das Baujahr.

Die Geisterbahnhöfe der U6

Zwischen Reinickendorfer Straße und Kochstraße lag der lange Ost-Berliner Abschnitt der U6, auf dem die Westzüge ab 1961 nicht mehr hielten. Betroffen waren die heutigen Stationen Schwartzkopffstraße, Naturkundemuseum (damals Nordbahnhof, dann Zinnowitzer Straße), Oranienburger Tor und Stadtmitte. Sie öffneten zwischen Juli und September 1990 nacheinander wieder, kurz vor oder nach der Wiedervereinigung.

Eine fünfte Station auf dieser Strecke, Französische Straße, wurde ebenfalls 1990 wiedereröffnet, aber wegen zu geringer Fahrgastzahlen und ihrer Nähe zu Stadtmitte und Hausvogteiplatz 2020 erneut geschlossen, dieses Mal endgültig.

Die Geisterbahnhöfe der U8

Auf der U8 traf es den Abschnitt zwischen Voltastraße und Moritzplatz: Bernauer Straße, Rosenthaler Platz, Weinmeisterstraße, Jannowitzbrücke und Heinrich-Heine-Straße lagen alle im Ostteil der Stadt und wurden ab 1961 ohne Halt durchfahren. Rosenthaler Platz und Jannowitzbrücke öffneten schon im November und Dezember 1989 wieder, noch vor der eigentlichen Wiedervereinigung, die übrigen folgten im Laufe des Jahres 1990.

Bernauer Straße liegt dabei fast direkt unter dem früheren Grenzstreifen, der heute als Gedenkstätte Berliner Mauer besichtigt werden kann, wenige Schritte vom U-Bahnhof entfernt.

Potsdamer Platz und die zweigeteilte U2

Anders als U6 und U8 verlor die U2 ihre durchgehende Strecke komplett. Sie wurde an der Sektorengrenze getrennt, der östliche Streckenteil endete jahrzehntelang an der heutigen Station Anton-Wilhelm-Amo-Straße, damals Thälmannplatz. Die Station Potsdamer Platz, mitten im ehemaligen Grenzstreifen gelegen, stand die ganze Zeit über einfach leer, ohne dass überhaupt noch Züge daran vorbeikamen.

Erst 1993 nahm die U2 den Betrieb über Potsdamer Platz wieder durchgehend auf, mehr als drei Jahrzehnte nach der Teilung.

Die Geisterbahnhöfe im Überblick

StationLinieGeschlossenWiedereröffnet
SchwartzkopffstraßeU619611990
Naturkundemuseum (Nordbahnhof)U619611990
Oranienburger TorU619611990
StadtmitteU619611990
Französische StraßeU619611990 (erneut geschlossen 2020)
Bernauer StraßeU819611990
Rosenthaler PlatzU819611989
WeinmeisterstraßeU819611990
JannowitzbrückeU819611989
Heinrich-Heine-StraßeU819611990
Potsdamer PlatzU219611993

Was von dieser Zeit noch zu sehen ist

Die meisten dieser Stationen sehen heute wieder aus wie ganz normale U-Bahnhöfe, saniert und mit moderner Beleuchtung. Wer genau hinschaut, findet trotzdem Spuren: an manchen Wänden noch ältere Fliesenmuster aus der Vorkriegszeit, die während der Schließung einfach nicht erneuert wurden, weil niemand die Stationen betrat außer Wartungspersonal und Grenztruppen. Fotos aus den 1980er-Jahren, etwa von durchfahrenden Zügen an dunklen, unbeleuchteten Bahnsteigen, kursieren bis heute in Ausstellungen zur Berliner Teilung.

Häufige Fragen

Was ist ein Geisterbahnhof?

Ein Bahnhof, an dem während der Teilung Berlins keine Züge mehr hielten, obwohl die Strecke durch ihn hindurchführte, weil er im anderen Teil der Stadt lag.

Welche Berliner U-Bahn-Linien hatten Geisterbahnhöfe?

Vor allem die U6 und die U8, die als komplette Westlinien unter Ost-Berlin hindurchfuhren. Die U2 wurde an der Grenze stattdessen in zwei getrennte Streckenteile geteilt.

Wann öffneten die Geisterbahnhöfe wieder?

Die meisten zwischen November 1989 und Herbst 1990, Potsdamer Platz auf der U2 allerdings erst 1993.

Gibt es heute noch geschlossene Stationen im Berliner U-Bahn-Netz?

Französische Straße auf der U6 wurde nach ihrer Wiedereröffnung 1990 im Jahr 2020 wegen geringer Nutzung erneut und diesmal dauerhaft geschlossen.

Kann man die ehemaligen Geisterbahnhöfe besichtigen?

Ja, sie sind reguläre, in Betrieb befindliche Stationen. Nur Französische Straße ist geschlossen und von den Bahnsteigen aus nicht mehr zugänglich.

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