Die 10 skurrilsten U-Bahnhöfe Berlins

Ein Reetdach-Bahnhof, ein Name aus einem Gasthaus und eine Station nach einer Klinik: zehn Berliner U-Bahnhöfe, die aus der Reihe fallen.

175 Stationen sammeln sich über 120 Jahre, und ein paar davon fallen aus der Reihe: durch ihre Architektur, ihren Namen, ihre Geschichte oder schlicht, weil sie dort liegen, wo man es nicht erwartet. Hier sind zehn Berliner U-Bahnhöfe, die auch Stammfahrgästen noch etwas zu erzählen haben.

Wer sie im Spiel wiederfinden will: die Liste aller Stationen zeigt Linie, Baujahr und Bezirk zu jedem Namen, und unter dailymetro.live/berlin wartet täglich eine neue Rätselstation.

1. Dahlem-Dorf, der Bahnhof mit dem Reetdach

Dahlem-Dorf auf der U3 sieht aus wie ein Landbahnhof, nicht wie eine Berliner U-Bahn-Station: ein niedriges Fachwerkgebäude mit Reetdach, 1913 gebaut, um sich optisch in das damals noch dörfliche Umfeld einzufügen. Es steht bis heute unter Denkmalschutz und gilt als eine der ungewöhnlichsten Stationseingänge Europas.

2. Onkel Toms Hütte, benannt nach einem Gasthaus

Der Name Onkel Toms Hütte klingt wie ein Scherz, stammt aber tatsächlich von einer Ausflugsgaststätte, die schon vor der Station an dieser Stelle im Grunewald stand und selbst nach dem amerikanischen Roman benannt war. Die U3-Station übernahm 1929 einfach den Namen des Lokals, und er blieb, während das Gasthaus längst verschwunden ist.

3. Wittenbergplatz, drei Bahnsteige nebeneinander

Wittenbergplatz bündelt U1, U2 und U3 auf einer einzigen, ungewöhnlich breiten Ebene mit drei Bahnsteigen Seite an Seite, statt der üblichen zwei. Die 1913 gebaute Halle wurde später mit Nachbauten historischer Anzeigetafeln und Werbeschildern ausgestattet, die an den Fahrplan- und Reklamestil der 1920er-Jahre erinnern sollen.

4. Hermannplatz, der Bahnhof wie eine Kathedrale

Die Halle von Hermannplatz auf U7 und U8 ist so hoch und mit Kassettendecken gestaltet, dass sie oft mit einem sakralen Bau verglichen wird. Der Bahnhof entstand 1926 gemeinsam mit dem angrenzenden Kaufhaus Karstadt, das über einen eigenen unterirdischen Zugang direkt an die Station angeschlossen war, ein Layout, das man in Berlin sonst nirgends findet.

5. Karl-Bonhoeffer-Nervenklinik, ein Bahnhof, der nach einer Klinik heißt

Die meisten Berliner Stationen tragen Platz- oder Straßennamen, diese hier auf der U8 heißt schlicht nach einer psychiatrischen Klinik in Reinickendorf, benannt nach dem Psychiater Karl Bonhoeffer. Ein U-Bahnhof, der direkt nach einem Krankenhaus benannt ist, bleibt im deutschen Netz eine Seltenheit.

6. Museumsinsel, der neue Bahnhof tief unter der Spree

Museumsinsel gehört zu den jüngsten Stationen des Netzes, erst 2021 eröffnet als Teil der Verlängerung, die aus der einstigen Kurzlinie U55 endgültig ein Stück der U5 machte. Die Station liegt tief unter der Spree und der Museumsinsel, in bergmännisch aufwendig gebauten Tunneln, weit unter dem Niveau der meisten anderen U-Bahnhöfe.

7. Anton-Wilhelm-Amo-Straße, eine Station, die zweimal umbenannt wurde

Diese U2-Station hieß erst nach einer Kaisertitulatur, dann jahrzehntelang Thälmannplatz nach einem KPD-Funktionär, und trägt seit 2021 den Namen des Philosophen Anton Wilhelm Amo, der im 18. Jahrhundert aus dem heutigen Ghana nach Deutschland kam und dort promovierte. Kaum eine andere Station im Netz hat eine so wechselhafte Namensgeschichte.

8. Zoologischer Garten, der kleine Bahnhof mit dem großen Namen

Zoologischer Garten war jahrzehntelang der bekannteste Bahnhof West-Berlins, Treffpunkt und Symbol zugleich, obwohl die eigentliche U-Bahn-Station mit ihren Bahnsteigen für U2 und U9 vergleichsweise unauffällig ist. Der Name kommt schlicht vom angrenzenden Zoo, dessen Eingang direkt neben der Station liegt.

9. Rathaus Schöneberg, Endstation der kürzesten Linie

Rathaus Schöneberg ist die südliche Endstation der U4, mit nur 2,9 Kilometern und fünf Stationen die kürzeste Linie im Netz. Sie fährt planmäßig mit den kürzesten Zügen aller Berliner U-Bahn-Linien und war bei ihrer Eröffnung 1910 technisch komplett vom übrigen Netz getrennt.

10. Naturkundemuseum, der Bahnhof mit drei Namen

Diese U6-Station hieß bei ihrer Eröffnung 1923 Nordbahnhof, nach der Teilung Zinnowitzer Straße, und erst seit 2009 Naturkundemuseum, nach dem Museum für Naturkunde direkt darüber. Sie war zugleich einer der Geisterbahnhöfe, an denen die U6 während der Teilung ohne Halt vorbeifuhr, mehr dazu in unserem Artikel über die Geisterbahnhöfe Berlins.

Häufige Fragen

Welcher Berliner U-Bahnhof hat ein Reetdach?

Dahlem-Dorf auf der U3, gebaut 1913 als Fachwerkhaus mit Reetdach, um sich in das damals ländliche Umfeld einzufügen.

Warum heißt eine Station Onkel Toms Hütte?

Nach einer Ausflugsgaststätte, die vor der Eröffnung 1929 bereits an dieser Stelle im Grunewald stand und selbst nach dem Roman benannt war.

Welche Station war früher Nordbahnhof und heißt heute anders?

Die heutige Station Naturkundemuseum auf der U6, die zwischenzeitlich auch Zinnowitzer Straße hieß.

Gibt es einen U-Bahnhof, der nach einem Krankenhaus benannt ist?

Ja, Karl-Bonhoeffer-Nervenklinik auf der U8 in Reinickendorf, benannt nach der dortigen psychiatrischen Klinik.

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